Der vorliegende Jahresbericht gibt einen Überblick über ausgewählte Themen und Highlights, die das CVUA-MEL im Jahr 2019 beschäftigt haben. Zu dem Jahresbericht

Die beiden NRW Minister Frau Ursula Heinen-Esser (Ministerin für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz) und Karl-Josef Laumann (Minister für Arbeit, Gesundheit und Soziales) besuchten am 02.10.2020 das CVUA-MEL, um sich für die geleistete Unterstützung während der Corona-Pandemie zu bedanken.

In den Chemischen und Veterinäruntersuchungsämtern (CVUÄ) Münster, Detmold, Krefeld und Arnsberg werden seit Ostern humane Abstrichproben auf SARS-CoV-2 untersucht. Vorrangig wurden die Analysenkapazitäten zunächst geschaffen, um Kapazitätsengpässe in NRW aufzufangen und flexibel auf lokale Ausbruchsgeschehen („Hot Spots“) reagieren zu können.

Mit seinen einführenden Worten stellte der Vorstandsvorsitzende des CVUA-MEL, Dr. Thorsten Stahl, stellvertretend für alle CVUÄ heraus, dass sich unmittelbar nach Ausbruch der Corona-Pandemie die Ämter darüber ausgetauscht haben, ob SARS-CoV-2-Untersuchungen durchgeführt bzw. eine entsprechende Diagnostik zeitnah etabliert werden könnte.

Einigkeit bestand sofort darüber, dass die CVUÄ – vor allem pragmatisch und unbürokratisch – das Land NRW unterstützen; schließlich sind die Veterinäruntersuchungsämter für virologische Diagnostik hervorragend aufgestellt und ausgestattet.

Die CVUÄ haben sich intensiv ausgetauscht, Laborabläufe harmonisiert, Strategien und Problemlösungen entwickelt, sich mit Krisenstäben und Gesundheitsämtern ins Benehmen und konstruktiv auseinandergesetzt.

Heute, ein dreiviertel Jahr und zigtausend Proben nach Untersuchungsbeginn später, darf festgehalten werden: Bislang haben sich die CVUÄ sehr erfolgreich und stets an einem Strang ziehend der Herausforderung SARS-CoV-2 gestellt!

Natürlich nicht zuletzt durch die Unterstützung des Umwelt- und Gesundheitsministeriums, für MEL darüber hinaus auch durch die Bezirksregierung Münster.

Der besondere Dank und die Anerkennung, so Dr. Stahl abschließend, gilt den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der CVUÄ, die seit Beginn der SRAS-CoV-2-Untersuchungen hochmotiviert auch an Wochenenden, Feiertagen gearbeitet und ihre Freizeit in zahlreichen Fällen den Untersuchungen wie selbstverständlich untergeordnet haben.

Ministerin Heinen-Esser betonte, dass es angesichts der Gefahr durch Zoonosen, also von Tieren auf den Menschen übertragbare Erkrankungen, ohnehin sinnvoll sei veterinär- und humanmedizinische Gesichtspunkte stärker zu vernetzen (Stichwort: One Health). Weiterhin führte Ministerin Heinen-Esser aus: „Im Kampf gegen Corona müssen wir alle Ressourcen nutzen und bündeln. Der Bitte um Unterstützung der humanmedizinischen Labore sind wir selbstverständlich nachgekommen“.

Die Unterstützung der CVUÄ hat mit dazu beigetragen, dass Nordrhein-Westfalen bislang relativ gut durch die Corona-Krise gekommen ist. Mit vereinten Kräften wird es uns auch weiterhin gelingen, als Land stark zu bleiben und diese Krise gemeinsam zu meistern", erklärte Minister Laumann.

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Am 19.07.2020 war das CVUA-MEL in der ZDF-Fernsehsendung „planet e.“ mit dem Beitrag „Milliardenmarkt Gesundheitspille - Das Geschäft mit Nahrungsergänzungsmitteln“ zu sehen.

Christian Struck, Lebensmittelchemiker im Arbeitsgebiet „Spezielle Lebensmittel“, berichtete über die Untersuchungen von Nahrungsergänzungsmitteln im Rahmen der amtlichen Lebensmittelüberwachung.

Nahrungsergänzungsmittel zählen, auch wenn die Darreichungsform (z.B. Pillen, Tabletten, Tropfen) eher an ein Arzneimittel erinnert, zu den Lebensmitteln.

Die Analytik der Inhaltsstoffe von Nahrungsergänzungsmitteln - häufig Mineralstoffe und Vitamine oder Kombinationen daraus - wurde beispielhaft für das Vitamin E dargestellt. Ein solcher Analysengang umfasst die Zerkleinerung (Mörsern) der Probe, die Anreicherung von Vitamin E in einem Lösungsmittel (Extraktion) und das Abtrennen von unerwünschten Begleitstoffen. Letzter Schritt der Aufarbeitung ist die Herstellung einer konzentrierten Messlösung. Zur Bestimmung des Gehaltes an Vitamin E wird diese Lösung mittels Hochleistungsflüssigkeitschromatographie (HPLC) vermessen. Das Analysenergebnis wird mit dem deklarierten Gehalt an Vitamin E des Nahrungsergänzungsmittels verglichen und bewertet.

In 2019 wurden im CVUA-MEL 450 Proben Nahrungsergänzungsmittel untersucht. 38 % davon (171 Proben) entsprachen nicht den lebensmittelrechtlichen Vorschriften. So wurden deklarierte Gehalte an Vitaminen/Mineralstoffen nicht eingehalten, es wurden Werbeversprechungen beigefügt, die in der Form nicht stimmten oder es waren „neuartige Stoffe“ (Novel-Food) enthalten, für die es in der Europäischen Union derzeit keine Zulassung gibt.

Der vollständige Beitrag ist in der ZDF Mediathek (https://www.zdf.de/dokumentation/planet-e/planet-e-milliardenmarkt-gesundheitspille-100.html) zu finden.

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Wir begrüßen zum Ausbildungsbeginn am 01. August 2020 zwei neue Auszubildende als Chemielaboranten. Der Vorstandsvorsitzende Herr PD Dr. Stahl versprach in Anwesenheit der Ausbildungsleiterin und der Personalabteilung den neuen Auszubildenden, dass sie beim CVUA-MEL eine hervorragende Ausbildung genießen können, denn schließlich gehört das CVUA-MEL zu den erfolgreichsten Ausbildungsbetrieben im Bezirk der IHK Nord Westfalen. Eine spannende und zugleich herausfordernde Zeit liegt nun vor den Auszubildenden und das gesamte Ausbilderteam des CVUA-MEL freut sich darüber diesen Weg begleiten zu können.

Ein kleiner Erreger macht momentan der heimischen Meisenwelt zu schaffen – das Bakterium Suttonella ornithocola. Nachdem schon die Naturschutzorganisation NABU Anfang März auf ein mysteriöses Meisensterben in verschiedenen Teilen Deutschlands hingewiesen hat, sind seit Mitte März einige verendete Blaumeisen aus dem Münsterland von aufmerksamen Naturliebhabern ins CVUA-MEL verbracht worden, um dort pathologisch-anatomische sowie weiterführende Untersuchungen durchführen zu lassen. Bei der Sektion dieser Vögel wurden Darm- und Lungenentzündungen festgestellt. Durch die sich anschließende kulturelle Untersuchung von verschiedenen Organmaterialien in der Bakteriologie zeigte sich in verschiedenen Organen nach 24- bis 48-stündiger Bebrütung ein hochgradiges Wachstum von Bakterienkolonien. Herkömmliche Verfahren zur Diagnostik dieser Kolonien wie die Maldi-TOF-Massenspektrometrie, die bei einer Vielzahl von bakteriellen Erregern angewendet wird, oder biochemische Verfahren zeigten kein oder kein eindeutiges Ergebnis. In Zusammenarbeit mit den Kollegen der Molekularbiologie des CVUA-MEL wurden Teile des genetischen Materials des Bakteriums sequenziert. Die Entschlüsselung bestimmter Gensequenzen wies ein eindeutiges Ergebnis auf: Suttonella ornithocola. Über den Erreger, der erstmals in den 1990er Jahren in Großbritannien bei Meisen beschrieben wurde, ist bislang relativ wenig bekannt. Das Bakterium verursacht Entzündungen, vor allem der Lunge, aber auch des Darms und gilt derzeit nur für Meisen, insbesondere Blaumeisen, nicht aber für andere Vogelarten, Säugetiere oder den Menschen als pathogen. Die infizierten Vögel weisen mitunter einen schlechten Ernährungszustand auf, wirken apathisch, zeigen ein vermindertes oder kein Fluchtverhalten. Als saisonaler Höhepunkt der Erkrankung gilt das Frühjahr. Erstmals in Deutschland berichtete 2018 das CVUA Westfalen über Suttonella ornithocola in Zusammenhang mit einem Meisensterben im Sauerland. Auch bei den derzeitigen Fällen wird das Meisensterben auf Suttonella ornithocola zurückgeführt, weitere Untersuchungen anderer möglicher Ursachen verliefen negativ. Zeitgleich mit den jetzigen Nachweisen im CVUA-MEL wurden auch Nachweise des Bakteriums in anderen Veterinäruntersuchungsämtern weiterer Bundesländer geführt. Der NABU empfiehlt zum Schutz der Meisen, vorhandene Futterstellen zu entfernen, um Ansammlung von Meisen und damit Übertragung des Erregers zu vermeiden. Auch die Vogelwelt ist damit von einer Art social distancing betroffen.

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