| Bovine Virusdiarrhoe |
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Die Bovine Virusdiarrhoe (BVD) gehört zu den wirtschaftlich verlustreichsten Krankheiten bei den Nutztieren. Während lange Zeit eine Bekämfung der BVD als aussichtslos gegolten hat, sind heute alle Voraussetzungen für eine erfolgreiche Sanierung gegeben.
Der Krankheitserreger und seine EigenschaftenDas BVD-Virus ist ein kleines behülltes Virus. Es ist eng verwandt mit dem Virus der Border Disease der Schafe und dem der Klassischen Schweinepest. Das BVD-Virus ist genetisch nicht einheitlich, sondern weist verschiedene Genotypen auf. Neben den Genotypen werden aufgrund ihres unterschiedlichen Verhaltens in der Zellkultur noch zwei Biotypen des BVD-Virus unterschieden. Der natürlicherweise vorkommende Biotyp ist in vitro nicht zytopathogen, d.h. eine Infektion von bovinen Kulturzellen mit dem Virus führt nicht zur Zerstörung der Zellen. Im Gegensatz dazu zerstört der zytopathogene Biotyp des Virus Zellen. Der zytopathogene Biotyp ist für den Krankheitsverlauf von entscheidender Bedeutung. Wenn er in persistent-infizierten Tieren (in utero infizierte Kälber, die lebenslänglich Virus ausscheiden; s. Tabelle) durch Mutation oder durch Austausch genetischen Materials entsteht, kann er die tödlich verlaufende Mucosal Disease auslösen. Das BVD-Virus ist relativ stabil in feuchter, kühler Umgebung, z.B. in Ausscheidungen, ansonsten kann es mit herkömmlichen Desinfektionsmitteln inaktiviert werden.
Übertragungswege und klinisches ErscheinungsbildWeit mehr als die Hälfte aller Rinder infizieren sich im Laufe ihres Lebens mit dem BVD-Virus, meist durch Aufnahme über den Verdauungstrakt. Ob dabei eine Erkrankung oder ein Schaden hervorgerufen wird, hängt von vielen Faktoren ab.
Pränatale InfektionDie wirtschaftliche Bedeutung der BVD-Virusinfektion beruht auf der pränatalen Infektion, d.h. der Infektion des Fetus im Mutterleib. Bei tragenden Tieren wird das Virus über die Gebärmutter auf den Fetus übertragen. Im letzten Abschnitt der Trächtigkeit, beginnend mit etwa dem fünften Trächtigkeitsmonat, ist die Infektion für den Fetus immunologisch ohne dauerhafte Folgen. Da zu dieser Zeit sein Immunsystem ausreichend ausgebildet ist, erkennt er das Virus als körperfremd und eliminiert es durch seine eigene Immunantwort. Für das Muttertier hat die Infektion keine ernsthaften Konsequenzen.
Persistent infizierte TierePi-Tiere sterben meist in den ersten zwei Lebensjahren unter den mehr oder weniger ausgeprägten Erscheinungen der Mucosal Disease (MD). Natürlicherweise sind persistent virämische Kälber mit dem nicht zytopathogenen Biotyp des BVD-Virus infiziert. Die letale Erkrankung Mucosal Disease folgt bei pi-Tieren nach einer Mutation des BVD-Stammes vom nicht zytopathogenen zum zytopathogenen Biotyp oder durch Superinfektion mit zytopathogenem BVD-Virus. Das zytopathogene Virus löst innerhalb von etwa 14 Tagen eine akute MD mit Todesfolge aus. Im Endstadium der Krankheit wird das zytopathogene Virus in großen Mengen über den Kot ausgeschieden und im Bestand verbreitet. Damit besteht die Möglichkeit, dass weitere virämische Tiere überinfiziert werden.
DiagnostikDie diagnostischen Methoden zum Nachweis der BVD konnten in den letzten Jahren wesentlich verbessert werden. Im Sinne der Kontrolle steht der Virusnachweis zur Identifizierung der Dauerausscheider im Vordergrund. Die zuverlässigste und empfindlichste Methode zum Virusnachweis stellt die kulturelle Isolierung aus Lymphozyten gerinnungsgehemmter Blutproben dar. Trotz ihrer Zuverlässigkeit ist die Methode nicht geeignet, um im Rahmen eines Sanierungsprogramms eingesetzt zu werden, da sie sehr arbeitsaufwendig, zeitintensiv und teuer ist. Die Entwicklung von Enzymimmunotests (ELISA) zum Virusnachweis in den letzten Jahren eröffnet die Möglichkeit, große Probenzahlen im Rahmen eines Sanierungsprogrammes mit einem wesentlich geringeren Aufwand zu untersuchen. Außerdem wurde noch der diagnostische Nachweis von viralem Antigen mittels der Duchflusszytometrie entwickelt.
Bekämpfung und SanierungDie BVD ist in Deutschland endemisch. Die intrauterine Übertragung und die immer neue Entstehung von pi-Tieren haben eine herausragende Bedeutung für die Aufrechterhaltung der Infektion in der Rinderpopulation. Gelingt es, die pi-Tiere in einer Population zu identifizieren und zu eliminieren, könnten dieser Zyklus unterbrochen, die wirtschaftlichen Verluste vermieden und das Virus zurückgedrängt werden. Das Bundesministerium für Landwirtschaft und das Ministerium für Umwelt, Naturschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz des Landes NRW haben die Bedeutung der Krankheit erkannt und ihr Sanierungskonzept in den "Leitlinien für den Schutz vor der Infektion mit dem Virus der Bovinen Virusdiarrhoe/Mucosal Disease" formuliert. Das Bekämpfungsprogramm sieht zwei wichtige Schritte vor:
Labordiagnostische Besonderheiten:
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