Aujeszkysche Kht.

Allgemeines

Die Aujeszkysche Krankheit (AK) oder Pseudowut ist eine weltweit verbreitete Virusinfektion der Säugetiere, wobei das Schwein Hauptwirt und Virusreservoir ist. Wirtschaftliche Verluste werden durch Todesfälle, Aborte und Erkrankungen des Atmungstraktes hervorgerufen. Die Krankheit ist anzeigepflichtig.

 

klinischen Symptome

Die klinischen Symptome sind alters- und stammabhängig. 2-20 Tage nach der Infektion können folgende Krankheitsbilder auftreten:

beim Schwein
Akute/perakute Gehirn- und Rückenmarksentzündung mit/ohne Erregungserscheinungen, Tod nach 1-2 Tagen möglich (vor allem beim Saugferkel).

Fieber, Erbrechen, ZNS-Symptome (Bewegungsstörungen, Krämpfe), Lungenentzündungen - Abklingen der klinischen Symptome meist nach 10-15 Tagen oder (seltener)Tod (v.a. bei Läuferschweinen).

Verlaufsform ohne klinische Symptome (latente Infektion) (vor allem bei erwachsenen Schweinen).

Aborte, Fruchtresorption, Mumifikation, Mazeration (bei tragenden Sauen).


bei anderen Säugetieren
Gehirn- und Rückenmarksentzündung mit zentralnervösen Erscheinungen und Juckreiz an der Eintrittspforte des Virus. In der Regel tritt der Tod nach 1-2 Tagen ein.

 

Erreger

Der Erreger der AK ist das Porzine Herpesvirus 1, das zur Familie der Herpesviridae gehört. Charakteristisch für diese Familie von Viren ist eine lebenslang bestehen bleibende Infektion, bei der klinisch feststellbare Phasen mit Virusausscheidung abwechseln mit klinisch unauffälligen Phasen ohne Virusausscheidung. Latente (klinisch und diagnostisch verborgene) Infektionen sind z.B. durch Stress, Immunsuppression u.a. Ursachen jederzeit reaktivierbar. Diese Reaktivierung führt zur erneuten Virusausscheidung mit oder ohne sichtbares Krankheitsbild.

Das Infektionsspektrum umfasst nahezu alle Säugetiere, wobei Primaten und Einhufer eine hohe natürliche Unempfindlichkeit haben. Hauptwirt und Erregerreservoir ist das Schwein.

Die Widerstandsfähigkeit des Porzinen Herpesvirus 1 ist hoch. In Muskelfleisch und Knochenmark bleibt das Virus bei -18°C bis zu 36 Tage infektiös, in gepökeltem Fleisch bis zu 20 Tage. Durch die Fleischreifung wird das Virus nicht zerstört. Fäulnis führt innerhalb von 11-12 Tagen zur Abtötung.

Zur Desinfektion sind alle üblichen Desinfektionsmittel für behüllte Viren geeignet.

 

Epidemiologie

Durchseuchte Schweine sind latente Virusträger, welche die Viren reaktivieren und erneut ausscheiden können.
Das Haupterregerreservoir stellen daher latent infizierte Schweine dar. Generell gelten Infektionsantikörper tragende Tiere als mögliche Infektionsquelle.

Die Virusausscheidung erfolgt vorwiegend über das Nasensekret, abortierte Feten, die Plazenta und Vaginalausfluss. In geringem Maße wird der Erreger auch über Milch und Sperma abgesondert. Fleisch von akut infizierten Schweinen ist virushaltig. Eine Einschleppung des Virus in nicht infizierte Bestände kann über die Einstallung infizierter Schweine, über infizierte Ratten, rohes Schweinefleisch, Personal, Wind und Gülleverregnung erfolgen.

 

Immunprophylaxe

Eine Impfung schützt meist vor dem Ausbruch der Erkrankung, aber nicht 100%ig vor einer Infektion. Die nötige Infektionsdosis liegt für geimpfte Tiere allerdings sehr viel höher als bei ungeimpften Tieren. Eine Impfung kann bei Infektion mit dem Feldvirus die Vermehrung und Ausscheidung des Virus vermindern, aber nicht sicher vermeiden.

Viruslatenz und die Reaktivierung können durch eine Impfung nicht verhindert werden.

Zur Zeit stehen auf dem Markt gI-Markervakzinen zur Verfügung. Diesen Markervakzinen fehlt das immunogene Oberflächenglykoprotein I. Antikörper, die aufgrund einer Markerimpfung vom Tier gebildet wurden, können daher von Infektionsantikörpern unterschieden werden. Damit ist auch bei geimpften Tieren eine Feststellung des Infektionsstatus möglich.

 

Diagnose


 

Erregernachweis

Der Erregernachweis bzw. Antigennachweis kann mittels Zellkultur und Immunfluoreszenztest aus Tonsillen, Gehirn, Lunge, Rückenmark, Milz, Leber, Lymphknoten, Nasentupfern, Präputial-/Vaginalsekret, abortierten Feten und Eihäuten durchgeführt werden.

 

Antikörpernachweis

Beim Nachweis von Antikörpern gegen das Porzine Herpesvirus 1 stehen Methoden zur Verfügung, mit denen Feldvirusantikörper von Antikörpern aufgrund einer Impfung unterschieden werden können. Der Nachweis von Antikörpern erfolgt routinemäßig mittels ELISA.

Unklare Ergebnisse können bei ungeimpften Tieren auch mittels Virusneutralisationstest weiter abgeklärt werden. Der Virusneutralisationstest vermag nicht zwischen Impf- und Infektionsantikörpern zu unterscheiden.

Routinemäßig wird der gI-ELISA, der nur Feldvirusantikörper nachweist, zur Untersuchung auf AK eingesetzt. Untersuchungen auf Feld- und Impfvirusantikörper können auf besonderen Wunsch mit dem Screening-ELISA durchgeführt werden.

 

Sanierungsprogramm

In Nordrhein-Westfalen existiert ein flächendeckendes Pflichtsanierungsprogramm für Schweinehalter auf der Grundlage der "Verordnung zum Schutz gegen die Aujeszkysche Krankheit" und der entsprechenden Verordnung des Landes Nordrhein-Westfalen, das zur Freiheit der Bestände des Landes von AK geführt hat. Grundpfeiler des Programms waren Pflichtimpfung mit Markerimpfstoff, regelmäßige serologische Untersuchungen auf Feldvirusantikörper, Merzung und seuchenhygienische Maßnahmen bei Feststellung von Feldvirusantikörpern in einem Bestand.

Seit dem 1.7.1999 ist die Impfpflicht in allen Gebieten Nordrhein-Westfalens aufgehoben. Die Impfung kann auf freiwilliger Basis fortgesetzt werden.